Dass die Erziehung in der Familie beginnt, nimmt der französische Theaterautor Louis Calaferte sehr ernst. Dass dieses ernste Thema ihm zur Komödie, ja zur Farce gerät, ist keine französische Besonderheit; denn der Gegensatz von Anspruch und Wirklichkeit, Schein und Sein kennzeichnet die Erziehung wie die Komödie. Ein in den achtziger Jahren entstandenes Stück mit dem symbolträchtigen Titel „Die Schlacht von Waterloo“ zeigt die Erziehungsprobleme der Eltern aus wechselnden Perspektiven und in komisch verfremdeten Situationen. Die Familie wird zum Austragungsort für die Konflikte einer desorientierten Gesellschaft, in der die Erwachsenen mithilfe der Kinder ihre eigenen Defizite zu kompensieren suchen.
5., 6., 7., 8. April 2010 (20.00)
Ortsverwaltung Dettingen, Kapitän-Romer-Straße 4
Eintritt: 5,-€; 3,-€ (Schüler/Studenten)
Die Erfahrung der vom Geld abhängigen Austauschbarkeit aller Werte macht den freigebigen Timon von Athen zum Misanthropen. Das antike Beispiel des Menschenfeinds wird bei Shakespeare zum modernen Paradigma des existenziellen Widerspruchs zwischen Haben und Sein. „Behalt’ dein Geld, ich kann’s nicht essen.“
Timons Worte über das magische Potenzial des Geldes erscheinen wie neu im Licht der aktuellen Finanzkrise, die auch der kürzlich verstorbene Regisseur Peter Zadek zum Anlass für eine Inszenierung des selten gespielten Shakespeare-Stücks nehmen wollte:„So viel hiervon macht schwarz weiß, hässlich schön, schlecht gut, alt jung, feig tapfer, niedrig edel.“ Friedrich Schiller schätzte das Stück besonders: „So gewiss ich den Menschen vor allem anderen zuerst im Shakespeare aufsuche, so gewiss weiß ich im ganzen Shakespeare kein Stück, wo er wahrhaftiger vor mir stünde, wo er lauter und beredter zu meinem Herzen spräche, wo ich mehr Lebensweisheit lernte, als im Timon von Athen.“
11.12., 12.12., 13.12., 14.12., 15.12., 16.12., 17.12. und 18.12.2009 (20.00)
Dettingen, Kapitän-Romer-Str.4 (Ortsverwaltung)
Zwölf Geschworene sollen in einem Mordprozess ein einstimmiges Urteil über Schuld oder Unschuld des Angeklagten fällen. Die von Reginald Rose verfasste amerikanische Parabel über die Stärken und Schwächen der Demokratie kann noch nach einem halben Jahrhundert uns Europäern in einem krisengeschüttelten Wahljahr als Beispiel dafür dienen, dass es bei aller Abhängigkeit unserer Meinungen von gesellschaftlichen Vorurteilen in der Verantwortung jedes Einzelnen liegt, von seinem Recht auf Zweifel an ungeprüften „Wahrheiten“ Gebrauch zu machen. „Wir dürfen zweifeln. Unsere Freiheit beruht darauf“.
Der Zuschauer befindet sich in der Inszenierung des Hermes-Theaters in der Rolle eines Voyeurs, der der Klausur der zwölf Geschworenen heimlich beiwohnt.
11.02., 12.02., 13.02., 14.02., 15.02., 16.02. und 17.02.2009 (20.00)
Dettingen, Kapitän-Romer-Str.4 (Ortsverwaltung)
Mit den „Enten Variationen“ von David Mamet (1972) zeigt das Hermes-Theater wiederum ein selten gespieltes Stück eines bedeutenden Autors, der hierzulande durch „Oleanna“ bekannt wurde. Ein Stück über Enten? In kurzen humoristischen Szenen setzen Menschen sich mit einer Spezies auseinander, die ihnen vertraut und fremd zugleich erscheint. Die Dialoge werden als Rollen-Variationen inszeniert, in denen das fragwürdige Wissen der Menschen über Enten die Fragwürdigkeit ihrer eigenen Existenz offenbart.
(deutsch von Bernd Samland, erschienen im Verlag Jussenhoven & Fischer)
Spieler in verschiedenen Rollen: Thomas Frohwerk & Nicola Catone
Inszenierung: Sandra & Jost Schneider
31.10., 1.11., 2.11., 3.11. 2008 (20.00)
Dettingen, Kapitän-Romer-Str.4 (Ortsverwaltung)
Das Hermes-Theater zeigt seine Inszenierung des „Hässlichen“ noch dreimal im Kulturzentrum am Münster. Marius von Mayenburg ist ein junger deutscher Theaterautor, der auch in London Erfolge feiert, wo das Stück zurzeit am Royal Court Theatre gespielt wird. „Ein gefährlich komischer Angriff auf die falschen Werte der Popkultur-Gesellschaft“, schreibt die Times über das Stück, das in der Schönheitschirurgie das wahre Wesen der modernen Marktwirtschaft entlarvt.
5., 6., 7., Juni 2008 (20.00)









